Übergangswohnung für Haftentlassene
Seit mehr als 200 Jahren stellt das Gefängnis die zentrale Form des Strafvollzugs dar, mit dem Versprechen, Sicherheit, Gerechtigkeit und Resozialisierung zu gewährleisten. Doch es hat keines dieser Versprechen eingelöst. Die „Rückfallquote“ liegt bei rund 50 Prozent, und selbst moderne Haftanstalten können den Widerspruch zwischen Freiheitsentzug und sozialer Wiedereingliederung nicht auflösen. Stattdessen verstärken Gefängnisse soziale Ungleichheit und setzen insbesondere armutsbetroffene oder rassistisch diskriminierte Menschen weiter unter Druck. Ein Blick auf die Zahlen in Gefägnissen zeigt die soziale Selektivität des Strafsystems: Die meisten Inhaftierten sitzen nicht wegen schwerer Gewalttaten ein, sondern wegen „Armutsdelikten“ wie Diebstahl oder Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Wer Geldstrafen nicht bezahlen kann, landet in Ersatzhaft. Die Gefängnisse spiegeln somit nicht Kriminalität wider, sondern gesellschaftliche Ungleichheiten und die Kriminalisierung von Armut. Eine emanzipatorische Zukunft kann nur auf Gleichwertigkeit basieren und diese ist für uns langfristig unvereinbar mit einem System, das Menschen einfach wegsperrt und stigmatisiert. Es bedarf vielmehr der Schaffung von alternativen Formen des Umgangs mit Straftaten und Konflikten als auch ein Umdenken im alltäglichen Miteinander. Dies bedeutet zur aller erst strukturelle Ungleichheiten und Diskriminierung nicht weiter zu Ignorieren, sondern aufzudecken und ihnen entgegenzuwirken. Konzepte wie „Restorative Justice“ setzen auf Wiedergutmachung statt Vergeltung. Gemeinnützige Arbeit kann sinnvoller sein als Haftstrafen, und soziale Sicherheit verhindert viele Straftaten bereits im Vorfeld.
Der Übergang aus einer Haft zurück in den Alltag ist eine sensible Phase, in der Menschen oft mit großen Hürden konfrontiert sind. Ohne Wohnung droht schnell Obdachlosigkeit und Isolation. Übergangswohnungen bieten hier einen geschützten Raum, der Stabilität und Sicherheit vermittelt. Sie ermöglichen es, Schritt für Schritt Perspektiven aufzubauen, welche zuvor in Haft genommen wurden und Ausgrenzung fördert. Jeder Mensch verdient die Chance auf einen Neuanfang. Wohnen ist dafür die entscheidende Grundlage. Um dies zu unterstützen kooperieren wird mit Solidarity1803 und schaffen eine Wohnung, die genau dabei unterstützen soll.
Unsere Kooperation mit Solidarity1803
Wir, Solidarity1803, sind eine kleine politische Gruppe, die sich mit sozialen Kämpfen und der Realität des Gefängnissystems auseinandersetzt. Zur Zeit sind wir vor Allem rund um die JVA Willich II aktiv. Ein zentrales Problem, mit dem wir konfrontiert sind, betrifft Gefangene im offenen Vollzug. Viele von ihnen können nicht außerhalb der Haftanstalt übernachten, weil sie keine feste Adresse angeben können. Dies betrifft insbesondere Frauen mit Kindern. Auch der erste Tag in Freiheit bedeutet für viele nicht einen Neuanfang, sondern den ersten Tag auf der Straße. Eine Wohnung zu finden, während die letzte bekannte Adresse die Justizvollzugsanstalt ist, stellt eine kaum überwindbare Hürde dar. Um dem etwas entgegenzusetzen, brauchen wir Soli-Wohnungen für Gefangene. Sie sollen nicht nur einen geschützten Rückzugsort im offenen Vollzug bieten, sondern auch den Übergang aus der Haft erleichtern, sodass eine Wohnungssuche nicht aus der Obdachlosigkeit heraus erfolgen muss. Unser Fokus liegt auf marginalisierten Gefangenen, die sich aktiv für ihre Rechte einsetzen. Wir verstehen unsere Arbeit dabei nicht als karitative Hilfe, sondern als politische Praxis der Selbstermächtigung. Gemeinsam mit den Bewohner*innen der Bergisch Gladbacher 1006 haben wir nun die Möglichkeit, eine erste Soli-Wohnung einzurichten. Unterstützt uns auf diesem Weg!
Um unser Vorhaben zu realisieren, muss zum einen natürlich das Hausprojekt BG1006 umgesetzt werden und zum anderen braucht es Menschen oder Gruppen, die langfristig die Soliwohnung unterstützen. Mehr Info’s zu dem Projekt gibt es unter https://solidarity1803.blackblogs.org/
